Die Stadt Forst (Lausitz) liegt im Südosten des Landes Brandenburg an der Lausitzer Neiße und
ist Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße. Ein Teil des ehemaligen Stadtgebietes
(der Stadtteil Berge, heute Zasieki, Ww. Zielona Góra) befindet sich seit Ende des 2.
Weltkrieges auf polnischem Hoheitsgebiet östlich der Neiße.
Der Name der Stadt leitet sich vom wendischen Borschz oder Barschz ab, was soviel bedeutet wie
Waldort oder Forst (vgl.[4] S.13 unten). Heute kann man diesbezüglich am Ortseingangsschild oder am Bahnhof
die niedersorbisch Übersetzung des Stadtnamens "Baršc" lesen.
Für die Gründung von Forst wird in der Literatur
kein eindeutiges Jahr genannt. Der Chronist Johann Magnus ordnet die Anfänge
der Errichtung einer ersten Siedlung an einer Kreuzung von Handelsstraßen um das Jahr 1200 ein. Andere
Quellen verweisen auf die Jahre 1270 bis 1290. Ungefähr zu dieser Zeit soll auch der Grundstein für die
Forster Stadtkirche St. Nikolai gelegt worden sein. (vgl.[4] S.13)
Abbildung 1 und 2: Historische Ansichten
Forst Lausitz Bismarkplatz um 1902 & Forster Stadtkirche [1]
Eine noch heute lebendige Epoche der Forster Geschichte ist die Zeit von 1917 bis 1923, von der
Zeit nach Ende des 1. Weltkrieges bishin zur großen Inflation im Deutschen Reich. Diese Zeit läßt sich
durch eine spezielle Art von geschichtlichen Belegen veranschaulichen: Notgeld, als Spiegel der
schweren und schnelllebigen Zeit.
In der Zeit von 1917 bis 1923 wurden verschiedene Geldscheine von dem Stadtkreis Forst (Lausitz) oder
im Stadtgebiet herausgegeben. Diese lassen sich nach SCHOENAWA in Notgeldscheine der Stadt, des Arbeitgeberverbandes
der Textilindustrie, der Darmstädter- und Nationalbank und der Depositen- und Handelsbank unterteilen (vgl. [3]S.52f.).
Exemplarisch sind im Folgenden ein paar interessante Stücke dargestellt:
Abbildung 3: Notgeld Forst Lausitz 25 Pfennig von 1921 [2]
Im Jahr 1917 stiegen die Warenpreise, doch die im Umlauf befindliche Geldmenge vergrößerte sich nur
wenig. Aus diesem Grund gab die Stadtverwaltung Notgeld aus, das "durch Hinterlegung der Kriegsanleihen
bei der Reichbanknebenstelle in Forst" ([4] S.195 unten) gedeckt werden sollte (vgl.[4] S.195f.).
Der in Abbildung 3 gezeigte Schein, sowie die 3 weiteren Varianten, die zu dieser Serie gehören, sind auf dem Markt sehr
häufig anzutreffen, was den Schluss nahelegt, dass in der Vergangenheit ein großer Bestand dieser
Serienscheine nicht verausgabt, sondern eingelagert und in neuerer Zeit gefunden wurde.
Trotz dessen sticht diese Serie durch ihre sehr schönen Darstellungen Forster Motive und die auf den
Scheinen gedruckten Sinnsprüche heraus. Ihre Wertigkeit hingegen ist eher gering.
Der 10 Pfennig Schein zeigt die Webeschule in Forst mit dem Spruch: "Es klagt der Fabrikant allein,
das Tuch muss noch viel teurer sein.", der 20 Pfennig Schein zeigt einen Weber an einem Webstuhl
und den Spruch: "Wo Tuch man macht und scheene Worscht, wo's Plinze gibt, der Ort heesst Forscht.",
der 25 Pfennig Schein zeigt die Forster Stadtkirche und im Vordergrund die Stadtbahn "Schwarze
Jule" mit dem Sinnspruch: "Mit 25 Pfennigen ging früher der Bauer aus,
jetzt schauen die Hamstergelder bei ihm zum Schornstein raus." und der 50 Pfennig Schein zeigt eine
Ansicht des Forster Rosengartens und den Spruch: "Wir lieben Blumenflor und Rosenduft, wir hassen
Muckertum und Stubenluft." [2].
So zeigen diese Notgeldscheine ein Stück des Denkens zu jener Zeit in Forst.
Abbildung 4: Notgeld Forst Lausitz 10000 Mark von 1923 der Darmstädter- und Nationalbank [2]
Der Notgeldschein aus dem Jahr 1923, Abbildung 4, stammt von der Darmstädter- und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien,
Zweigniederlassung Forst (Lausitz). Auf ihm steht: "Ich bin durch die Not der Zeit geboren,
als Lohn für die Arbeit auserkoren.". Als Besonderheit trägt er 2 Originale Unterschiften im linken
Teil der Note.[2]
Banken und Geld gehören untrennbar voneinander zusammen. 1923 gab es in Forst (Lausitz) neben der Darmstädter- und Nationalbank noch 5 weitere Banken (vgl. [5] S.87).
Die größte, bekannteste und älteste Bank zu dieser Zeit war die 1847 gegründete Städtische Sparkasse, die noch heute ihren Sitz
in Forst in der Cottbuser Straße hat, wohin sie 1919 verlegt wurde (vgl. [5] S.87).
Abbildung 5: Notgeld Forst Lausitz 10 Milliarden Mark von 1923 [2]
Je weiter die Inflation um sich griff, desto größer wurden auch die Beträge auf dem Notgeld und desto größer wurde auch die Notlage der Bevölkerung.
Der Schein aus Abbildung 5 stammt vom 24. Oktober 1923. Zu dieser Zeit kam es vor, "daß in Forst fast überhaupt kein staatliches Geld im Umlauf war und
die benutzten Geldzeichen nur aus städtischem Notgeld bestanden..."([5] S.119). Die 10 Milliarden Note ist ein Indiz für den Höhepunkt
der Inflation. Zu dieser Zeit war der Währungsverfall am größten. Exemplarisch kostete ein Brot im Januar 1923 525 Mark, im März 670 Mark, im September schon 14.500.000 Mark und
die Preise stiegen weiter (vgl. [5] S.117). "Es kam vor, daß sich die Lebenshaltungskosten in einer Woche nahezu verdreifachten..."([5] S.118). Im Juli 1923 hatten alle
Kosten, die eine Person für ihren Lebensunterhalt benötigte, sich gegenüber der Vorkriegszeit schon ver71476facht (vgl.[5] S.118).
Überträgt man dies in die heutige Zeit würde das bedeuteten: kostete ein Brötchen 25 Cent, müßten nun für das gleiche Brötchen 17.869 Euro bezahlen werden.
Abbildung 6 links: Notgeld Forst des Arbeitgeberverbandes der Textilindustrie von 1923 [2]
Abbildung 7 mitte und Abbildung 8 rechts: Eigenschecks
Depositen- und Handelsbank & Brandenburgische Emissionsbank 1923 [2]
Der 250.000 Mark Schein von 1923, Abbildung 6, wurde vom Arbeitgeberverband der Textilindustrie für den
Stadtbezirk Forst (Lausitz) herausgegeben und diente nur zur Verrechnung [2].
Die Schecks aus Abbildung 7 und 8 haben neben des immens hohen Betrages zur Auszahlung eines gemeinsam, den Aufdruck: "Wegen Papiermangels
wird gebeten, diesen Scheck in Zahlung zu nehmen." [2]. Die beiden Belege sind ein weiteres Indiz dafür, wie weit fortgeschritten
die Infltion und ihre Begleiterscheinungen Ende 1923 waren.
"Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsfinanzministers über 20 Pfennig Gold. Der Gegenwert für diesen
Schein ist durch Hinterlegung von wertbeständiger Anleihe des Deutschen Reiches sichergestellt...". [2]
So wurde Ende 1923 versucht die Inflation einzudämmen und dem Währungssystem wieder ein
tragfähiges Fundament zu geben. Mitte Oktober 1923 durften die Gemeinden beginnen wertbeständiges Notgeld
zu drucken.(vgl.[5] S.119) Das hatte im November 1923 die Folge, dass Preise in 2 verschiedenen
Währungen angegeben wurden. So wurde ein Brot mit 288.000.000.000 Mark bzw. 48 Goldpfennigen ausgepreis. (vgl.[5] S. 120)
Als weiterer Beleg für den immensen Wertverlust des deutschen Geldes sei das Beispiel des Wechselkurses Dollar/ Mark genannt.
Im Laufe der Inflation stieg der Wechselkurs zwischen dem Dollar und der Papiermark von 1$ : 4,20 Mark (1914)
auf 1$ : 2.520.000.000.000 Mark (1923). (vgl.[5] S.120) Anhand von Briefbelegen kann man ebnenfalls den Wertverlust noch heute
veranschaulichen. Die Abbildungen 10 und 11 zeigen postalisch vergleichbare Briefe (Fernverkehr), die nur 11 Tage nacheinander versandt wurden. Das Porto auf dem
linken Brief beträgt 5 Millionen Mark und auf dem rechten Brief, besagte 11 Tage später, schon 25 Millionen Mark. Heute Porto zu kaufen, das nächste
Woche gebraucht wird, scheint in dieser Zeit keine gute Idee gewesen zu sein.
Abbildung 10 links: Brief des Fabrikanten Bergami aus Forst vom 12.10.1923 [2]
Abbildung 11 rechts: Brief aus Forst vom 23.10.1923 [2]
An dieser Stelle seinen grob die verausgabten Notgeldscheine im Stadtgebiet Forst (Lausitz) genannt ([2] und vgl. [3] S.52f.):
50 Pfennig, als Druck ohne Jahresangabe, 50 Pfennig, mit dem Wort "jederzeit" und
50 Pfennig, mit dem Wort "bis auf weiteres" jeweils von 1917
1 Pfennig, Karton von 1918
5 Mark, 10 Mark, 20 Mark und 50 Mark jeweils von 1918
10, 20, 25 und 50 Pfennig von 1920
10, 20, 25 und 50 Pfennig von 1921
10000 Mark, von der Stadtgirokasse, der Darmstädter- und Nationalbank,
dem Creditkassen-Verein, der Commerz- und Privatbank, von Bockenkamp & Co. und
ohne einen Aufdruck jeweils von 1923
250000 Mark und 500000 Mark von 1923
1 Million Mark von 1923
50000 Mark und 100000 Mark jeweils von 1923
10 Milliarden Mark von 1923
1 Goldpfennig, 5 Goldpfennig, 20 Goldpfennig,
70 Goldpfennig und 1 Goldmark jeweils von 1923
250000 Mark, Arbeitgeberverband der Textilindustrie von 1923
20 Milliarden Mark, 50 Milliarden Mark, 100 Milliarden Mark und
500 Milliarden Mark, Schecks Darmstädter- und Nationalbank jeweils von 1923
10 Milliarden Mark, 50 Milliarden Mark, 100 Milliarden Mark, 200 Milliarden Mark,
250 Milliarden Mark, 500 Milliarden Mark und 1 Billion Mark, Schecks Depositen- und Handelsbank jeweils von 1923
Die meisten Notgeldscheine sind in verschiedenen Varianten erscheinen, d.h. es gibt
Unterschieden in den Datierungen, den Kontrollnummern und Farbnuancen.
[1]
Die abgebildeten Postkarten stammen aus einer Privatsammlung.
Der Eigentümer möchte ungenannt bleiben.
[2]
Die abgebildeten und genannten Notgeldscheine und Belege stammen aus einer Privatsammlung.
Der Eigentümer möchte ungenannt bleiben. Wir bedanken uns für die kurzfristige
Überlassung und die Möglichkeit der Untersuchung.
[3]
Schoenawa, Hartmut:
Das Papiergeld von Brandenburg und Berlin
Verlag und Druckerei Hartmut Schoenawa
3. Auflage
Werlaburgdorf
1995
[4]
Scholze, Wilfried und Ihlo, Richard:
Geschichte der Stadt Forst/Lausitz
1. Teil
VEB Domowina Verlag Bautzen
2. Auflage
Bautzen
1982
[5]
Scholze, Wilfried und Ihlo, Richard:
Geschichte der Stadt Forst/Lausitz
2. Teil, 1. Hälfte
VEB Domowina Verlag Bautzen
1. Auflage
Bautzen
1984